Kapitel 2

Zuhause angekommen, mit meinem kleinen Sino im „Handgepäck“ stellte ich erstmal fest, dass ich nicht mal ein Bettchen für meinen kleinen Liebling hatte. Also, Gepäck ins Eck , Sino auf den Arm , Sino ins Auto (welches er von der ersten Sekunde an liebte) und sofort suchten wir beide eine Zoohandlung oder ähnliches , na jedenfalls einen Laden, in dem man Futter, Körbchen, Bücher und alle Utensillien kaufen konnte, die man für ein Hundebaby benötigt.

Nach ca. 2 Stunden hatte ich alles , was der Hund so braucht.  Schon der erste Spaziergang zeigte mir, dass ich in der völlig falschen Gegend lebte .  Keine Hundewiesen, keine weiteren Hunde, viel zu wenig Auslauf . Das musste geändert werden.  Natürlich !

Ausser mich nun um das Ambiente und die Komfortabilität des Welpen zu kümmern, musste ich am nächsten Tag auch wieder arbeiten.  Muss ich erwähnen, dass ich selbstverständlich meinen Welpen Sino mit ins Büro nahm ?  Muss ich nicht – oder ?   Ausgerüstet mit Fress- und Wassernapf, Welpennahrung, Decken und Körbchen, Spielzeug und Haushaltsrolle (so stubenrein war er ja noch nicht wirklich, dass ich auf besagte Rolle  hätte verzichten können) fuhren wir beide ins Büro.

Wichtiger als das Aufarbeiten irgendwelcher Postberge und einberaumter Besprechungen mit allen Mitarbeitern, war selbstverständlich die Wohnungssuche. Ich musste ja möglichst nah zum Grossen kgl. Garten ziehen , versteht sich ! Mein Hund brauchte ja als Jagdhund den entsprechenden Auslauf.  Das Glück war mir hold.  Die Dachterrassen-Wohnung im gleichen Haus, indem wir unsere Büros hatten, war noch frei und innerhalb weniger Stunden wurde sie von mir angemietet.   Was interessierten mich Kündigungsfristen, Umzugskosten oder ähnliches ?   Menschen, die keinen Hund besassen, hielten mich für endgültig nicht mehr zurechnungsfähig oder aber für total durchgeknallt.  Was mir hinlänglich gleichgültig war.

Der Umzugswagen kam – alles wurde ein – und auch wieder ausgepackt , dass Chaos war perfekt – und mitten drin – Sino und ich.

Die erste Nacht im neuen Zuhause wurde gemeinsam im Bett liegend verbracht und war prächtig und ruhig. Der Grosse königliche Garten war 3 Minuten entfernt und wir beide konnten ihn vom Schlafzimmer aus sehen.

Erster Morgenspaziergang war so ganz nach Sinos Vorstellung. Er war begeistert ! – und ich ? Na, einfach glücklich.  Genauso hatte ich es mir vorgestellt.  Wieder zuhause angekommen, hegte ich die Hoffnung, dass Sino todmüde sei, schlafen würde und ich mich den immer noch vollen Umzugskartons widmen könnte.  Sino legte sich, in seinen Korb, fand alles aufregend und machte Anstalten zu schlafen.

Ich wirbelte durch die Wohnung, räumte , wirbelte und wollte alles ganz, ganz schnell schön und gemütlich für uns beide haben. Irgendwann , nach zwei oder drei Stunden, wollte ich meinen kleinen Hunden füttern und ……der Korb war leer.  Kein Hund zu sehen, kein Rufen half,  er war einfach unauffindbar. Weg – verschwunden – abhanden gekommen.   Ich rannte durch die Wohnung, durch das Haus, Johanna die Wahnsinnige verhielt sich im Vergleich zu mir sehr gesittet.

Es sollten die drei schlimmsten Tage und Nächte meines bisher an Höhen und Tiefen nicht armen Lebens folgen.  Sino blieb verschollen.  Ich wuchs , was die Kreativität anbelangte, schier über mich hinaus. Radiosender mussten Suchmeldungen durchgeben, 500  Zettel mit Fotos wurden ins Windeseile geschrieben und kopiert und von Mitarbeitern und Kollegen überall verteilt , an Bäume und Hauswände gepinnt und in Supermärkten verteilt.

Am nächsten Tag waren schon großformatige Anzeigen in den Tageszeitungen platziert, ca. tausend Menschen waren befragt worden . Mit dem Resultat, dass Sino unauffindbar blieb.  Ich werde diese Tage niemals vergessen, ich war mit den Nerven völlig am Ende, hatte mich beurlauben lassen, weil ich zu nichts mehr im Stande war, ausser an Sino zu denken und ausser ihn zu suchen. Ich zog durch die Nacht, durch Kneipen, durch Bars und Restaurants, folgte jedem Tipp und jedem Ratschlag.    Sino war an einem Dienstag verschwunden, es wurde Mittwoch, Donnerstag ….. immer noch kein Zeichen, kein ernst zu nehmender Hinweis, nichts ……

Ich fühlte mich wie amputiert, war nur noch ein Nervenbündel und so unglücklich,wie noch niemals vorher in meinem ganzen Leben.

Freitag – und immer noch kein Sino.  Ich spürte und wusste, dass es ihm gut ging. Ich hatte in dieser ganzen Zeit niemals den Gedanken, dass ihm etwas schlimmes zugestossen sein könnte  – obwohl ich selbstverständlich auch in jeder Tierarztpraxis und jeder Vertinärklinik angerufen hatte – sicherheitshalber ….. –   und dann kam er …… mein Hündchen, mein Sinchen, mein kleines Reh, mein Baby.  Er schoss, flankiert von der Frau unseres Geschäftsführers und einem jungen Mann, in mein Büro, freute sich sichtlich mich zu sehen, wedelte, wackelte und machte vor Freude kleine Luftsprünge.

Ich war der Ohnmacht nahe. Ich weinte und lachte und war in dieser Sekunde der glücklichste Mensch unter der Sonne. Er war wieder da !!!! Mein Sonnenscheinchen.  Der junge Mann, der ihn Dienstags vor meinem Haus „aufgegriffen“ hatte, hies Olli, war 14 Jahre alt, Schüler, hatte selbst zwei Hunde, bekam von mir eine dicke, fette Belohnung und einen „Job“. Von Stunde an, war er mein Hundesitter. Olli holte Sino jeden Mittag um 14 Uhr nach der Schule ab, verdiente sich ein schönes Taschengeld, und brachte ihn mir um 17 h , nach ausgiebiger Runde, im Grossen Garten wieder.

Es war eine wunderbare Zeit.  Morgens in aller Früh, gingen Sino und ich auf die Runde , bis zu diesem Zeitpunkt war ich ein absoluter Morgenmuffel. Nie, aber wirlich niemals , wäre ich ohne Hund auch nur 5 m freiwillig am frühen Morgen gelaufen, jetzt machte es mir Freude und ich liebte unsere Morgenspaziergänge.

Das gleiche wiederholte sich dann am Abend, bei Wind und Wetter !!!   Mein Leben hatte sich plötzlich um 180 Grad gewendet. Die Zeit vor Sino verbrachte ich damit, dass ich ein absoluter Workaholic, 12 STunden am Tag im Büro verbrachte und die Nächte zum Tag machte. Es gab kaum ein Event, bei dem ich nicht gewesen wäre, allabendliche Essen mit Kunden und Freunden waren an der Tagesordnung,  Kino, Theater, Oper, Vernissagen usw. obligatorisch. Und jetzt ……..  Ich konnte es selbst kaum glauben.   All diese Vergnügungen wurden sekundär oder sogar völlig unwichtig. Wichtig war nur noch mein mittlerweile 3 Monate alter Hund Sino.  Durch ihn lernte ich eine gänzlich neue und andere Qualität des Lebens kennen.   Es sollte noch exzessiver und intensiver kommen.

Nach ein paar Monaten war ich der Ansicht, dass Sino unbedingt  einen Spielgefährten haben sollte

Das ist wieder ein weiteres Kapitel

Dann fand ich, dass Deutschland nicht mehr der richtige Lebensmittelpunkt für die mittlerweile 3 köpfige Familie war  (Sunny, Welpchen Nr 2 war mittlerweile Sino s kleiner „Bruder“ geworden)

Also wohin mit uns ?  Ab in den Süden  ….. wir zogen nach Spanien

davon erzähl ich demnächst……..