In wild lebenden Rudel paaren sich meist nur die Tiere, die von allem das Beste kriegen und deshalb auch den kräftigeren Nachwuchs erzeugen. Sie erhalten ausserdem den sichersten Schlafplatz, werden von anderen gepflegt und können sich innerhalb des Rudels Verbündete für ihre Sicherheit schaffen. Hunde oder Wölfe, die ständig nur das Beste erhalten und Nachkommen zeugen, werden dominant oder Alphatiere genannt.

Die Ähnlichkeit zwischen den sozialen Strukturen des Hunderudels und jenen der menschlichen Gesellschaft begünstigt die positive Entwicklung  der Beziehung zwischen Hund und Mensch. Im Grunde verstehen Haushunde sehr gut, dass wir das Beste und sie „nur“ die Reste bekommen – diese Regelung verhindert im allgemeinen Konflikte. Die Ähnlichkeit beider Sozialsysteme unterstützt möglicherweise den ungeheuer grossen Einfluss, den Ausbildung und Erziehung auf ein so anpassungsfähiges und zugleich intelligentes Wesen wie den Hund ausüben – die Lernkapazität mancher Hunde scheint in der Tat unbegrenzt.

Wenn Hunde drei verschiedene Intelligenzformen in sich vereinigen (die adaptive, die Arbeits- und die instinktive Intelligenz) – welche ist dann die wichtigste, oder welche dominiert das Verhalten eines Hundes?  Haben diese veschiedene Intelligenzformen einen wechselseitigen Einfluss aufeinander?  Die meisten Hunderassen verfügen über eine Form der instinktiven Intelligenz, die sie von den anderen abhebt, was sich etwa in einem bestimmten Spektrum von Fertigkeiten, Fähigkeiten, verhaltensmässigen Anlagen und so weiter zeigt: Einige Hunde scheinen jedoch von ihrer instinktiven Intelligenz stärker beherrscht zu werden als andere, und bei einigen Rassen bringt die instinktive Intelligenz keine einzige herausragaende Begabung hervor.

Der Dobermann und der Pudel beispielsweise zeigen keine sehr betonten instinktiven ‚Fähigkeiten, die sie von anderen Rassen abheben. Beide zeichnen sich zwar durch hohe adaptive und Arbeitsintelligenz aus, aber Ausbilder, die Dobermänner dazu ausgebildet haben, Schafe zu hüten , und Pudel auf die Vernichtung von Ratten und anderem Ungeziefer, berichten, dessenungeachtet, dass es für die Hunde sehr schwer und anstrengtend gewesen sei, ihre Aufgaben zu lernen.

Mehr noch: Selbst nach vollendeter Ausbildung muss man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Leistung dieser Rassen letztlich nicht gerade beispielhaft sein wird. Die Hunde werden zwar in der Lage sein, ihre Aufgabgen einigermassen zu erfüllen, werden aber nie herausragende Leistungen zeigen.

Collies und Manchester Terrierhingegen haben nicht nur bekannte und klar umreissene Dimensionen instinktiver Intelligenz, sondern ihr Verhalten wird überdies von diesen genetisch festgelegten Reaktionsmustern beherrscht. Der Collie etwa kann nicht nur fast automatisch Schafe hüten, sondern will es geradezu und wird sich sogar darum bemühen, selbst wenn dies bedeutet, deass er sämtliche Mitglieder einer Familie umkreist, um sie in einer Gruppe beisammenzuhalten, als wären sie eine Schafherde.  Das kann schon passieren, wenn sie sich nur von der Haustür zu dem auf der Strasse geparkten Wagen begeben wollen.

Und Manchester Terrieren braucht man garnicht erst beizubringen, auf Mäuse, Ratten und anderes Ungeziefer Jagd zu machen. Sie rennen instinktiv hinter allem her, was klein ist und sich in Zickzacklinien bewegt, und werden es angreifen.  Um die besonderen Aufgaben zu erfüllen, weshalb man sie gezüchtet hat, brauchen beide Hunderassen kaum Ausbildung. Sie werden auch so ihr volles Potential entwickeln.