Es ist allgemein bekannt, dass der Pointer seine Heimat nicht in Britannien, sondern in Spanien hat. Die Hunde kamen im Verlaufe des spanischen Erbfolgekrieges und in den darauffolgenden Jahrzehnten von der Iberischen Halbinsel nach Großbritannien. Über diese schon damals weiß-bunten Vorstehhunde sind keine zuverlässigen Unterlagen aus der Zeit des frühen Mittelalters vorhanden. Von mancher Seite wird vermutet, dass diese wertvolle Hunderasse den Westgoten zu verdanken sei. Sie hatten bekanntlich auf der Iberischen Halbinsel ein blühendes Reich errichtet, und als Herrenvolk werden sie wohl die Jagd ganz für sich in Anspruch genommen haben. Auf jeden Fall schätzten sie die Hunde ausserdordentlich hoch ein.

In Gesetztesüberlieferungen aus jener Zeit waren für das Töten eines solchen Hundes durch Dritte entsetzlich hohe Strafen festgesetzt (das Abhacken der Hände,  ja sogar die Todesstrafe). Das besagt genug. Das Westgotenreich wurde zu Beginn des achten Jahrhunderts von den aus Nordafrika vordringenden Mauren (Arabern) besiegt.

Deren Nachkommen waren und sind in ihren heutigen Verbreitungsgebieten begeisterte Anhänger der Beizjagd. So ist es naheliegend, dass sie die in dem neueroberten Land vorgefundenen Hunde für ihre Lieblingsjagd verwendeten und weiter pflegten.

Als hochkultiviertes Volk haben die Mauren dem Lande ihren Stempel aufgedrückt. Nach ihrem Untergang überließen sie den Nachfolgern eine hochentwickelte Zucht edler Pferde mit viel Araberblut (Andalusier) und vermutlich auch die von ihnen weitergezüchteten gotischen Vorstehhunde.

Dann liegen Jahrhunderte des Dunkels über der Entwicklung der Hunde. Der Erzbischof Albertus Magnus mit seinen starken naturwissenschaftlichen Neigungen erwähnt sie dann mit Nachruck. Seine Bemerkungen sind ebenso charkateristisch wie zutreffend. Die Jahrhunderte kamen und gingen, Reiche wurden gegründet und zerfielen. So kam der spanische Erfolgekrieg heran. Die zur Weltmacht aufstrebenden Engländer besetzten die Insel, lernten die seit Jahrhunderten, vielleicht seit einem Jahrtausend mehr oder weniger rein gezüchteten Vorstehhunde kennen und schätzen.

Beim Verlassen der Halbinsel nahmen sieviele der vorzüglich bewährten  Hunde mit nach England. Dort fanden die Pointer eine begeisterte Aufnahme und eifrige Pflege.

Diese vielseitigen, überraschend feinnasigen Hunde waren aber den Engländern nicht schnell genug. Auch legten diese auf die Vielseitigkeit keinen Wert. Es war sicherlich mit anfänglichen Rückschlägen verbunden, als man Meutehunde einkreuzte, um deren stahlharte, mit Muskeln bepackten Läufe und ihre aussergewöhnliche Ausdauer auch dem Pointer zu eigen zu machen.

Spuren solcher rasse- und wesensfremden Einkreuzungen konnte man lange Zeit daran erkennen, dass man immer wieder „leibarmen“ Hunde begegnet, also Hunden mit einem hinter dem Brustkorb übernatürlich stark aufgezogenen Leib mit viel zu flachem Oberkopf ohne Stirnansatz, mit spitzen Köpfen und gedrehten Behängen.

Der bedeutendste Pointer Kenner Englands war zu seiner Zeit W.W. Arkwhigt, der das Standardwerk über die Rasse schrieb. Es wurde ins Französische übersetzt. Leider gab es nie eine Deutsche Ausgabe. Die ersten Pointer kamen etwa zu Beginn der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach Deutschland.

Fürsten und Standesherren mit grossen Niederwildjagden waren die ersten Freunde und Förderer der Rasse. Auch über die wohlhabenden bürgerlichen Stände, soweit sie die Jagd ausübten, nahmen sich der Hunde an, führten sie mit Begeisterung , vorwiegend nach englischem Vorbild, d.h. man verwendete sie nicht zum Bringen des Wildes, ja, man bestrafte sie, wenn sie aus Naturtrieb das gefallene Wild aufnahmen und bringen wollten.   Sie wurden zu Vorstehhunden erzogen.