Hundeverhalten-Bindungsverhalten. Was verbindet Mensch und Hund?

Geschrieben von Nito am August 5th, 2012 in Hundeverhalten, Verhalten des Hundes

Hundeverhalten: Bindung wird von Hundehaltern oft unterschiedlich interpretiert. Einige meinen damit, dass ein Hund gern die Nähe eines Menschen sucht. Andere verwechseln den Begriff mit perfekter Erziehung. Doch was genau ist Bindung? Und wie entsteht sie?Bei dem Wort Bindung fallen uns zunächst Bilder von Mutter und Kind ein;  das Pferd und sein Fohlen das Huhn und sein Küken, die Mutter und ihr Baby. Doch obwohl die Fähigkeit zur Bindung in der frühen Kindheit erlernt wird, sollte Bindung nicht mit Abhängigkeit verwechselt werden. Bindung kann ein ganzes Leben lang erhalten bleiben, wogegen die kindliche Abhängigkeit im Laufe der Entwicklung beständig weiter abnimmt.

Als ursprünglicher Zweck des Bindungsverhaltens wird der Schutz vor lebensbedrohlichen Raubtieren vermutet: Gemeinsam ist man stark. Bindung diente also dem Überleben. Wer kommt den als Bindungspartner infrage? Sicherlich nicht ein gänzlich Unbekannter, sondern im Gegenteil jemand, den man besonders gut kennt. Wen man gut kennt, den kann man gut einschätzen. Wen man gut einschätzen kann, auf den kann man sich verlassen. Und auf wen man sich verlassen kann, der gibt einem Sicherheit. Bindung hat also auch etwas mit Langfristigkeit zu tun – Zufallsbekanntschaften sind keine Bindungspartner.

Der Verhaltensforscher und Biologe Adam Miklosi von der Universtität Budapest hat durch zahlreiche Experimente nachweisen können, dass es bei Hunden ganz ähnliche Bindungstypen und ein ähnliches Bindungsverhalten gibt wie bei den Menschen. Darüber hinaus haben er und sein Team festgestellt, dass das Bindungsverhalten von Welpen und Elterntieren in seiner Gesamtheit vergleichbar mit der Eltern-Kind-Beziehung des Menschen ist. Diese Ähnlichkeiten der Bedürfnisse und im Verhalten erklärt die oftmals sehr enge und vertrauensvolle Bindung und tiefe Beziehung, die wir mit unseren Hunden so beglückend erleben.

Wenn aber das Leben nicht unmittelbar bedroht ist – warum ist Bindung dann dennoch so immens wichtig? Warum ist sie ein Grundbedürfnis? Hat sie etwas mit Nahrung zu tun? Lässt sich ein Hund mit Leckerli an einen Menschen binden?

Obwohl nichts logischer erscheint als das , haben Bindungsverhalten  und deren Intensität nichts mit Nahrung zu tun. Auch nicht mit Leckerlis!  Diese von den Lerntheoretikern aufgestellte Hypothese wurde durch die grausamen Experimente eines weiteren Psychologen, des Amerikaners Harry Harlow, 1958 widerlegt. Harlow trennte neugeborene Rhesusäffchen von ihrer Mutter. Dann bot er ihnen zwei unterschiedliche Mutter-Attrappen an : eine mit Fell überzogene, weiche, die keine Nahrung bot, und eine kalte, abweisende , aus Draht, die den hungrigen Äffchen Nahrung bot. Zu welchen dieser „Mütter“ flüchteten sich die Äffchen in ihrer Not ? Zu der mit Nahrung?  Nein, sie klammerten sich an die weiche Mutter mit dem warmen Fell. Bei ihrer suchten sie in ihrer verzweifelten Lage Sicherheit und Trost.

Damit konnte Harlow belegen, dass Bindung ein eigenständiger, vom Grundbedürfnis Nahrung unabhängiger Entwicklungsprozess ist. Und ja: Bindung hat etwas mit Kuscheln zu tun!

Bindungsverhalten beim menschlichen Baby und Kleinkind drückt sich durch Lächeln, Schreien, Festklammern und Zur-Mutter-Krabbeln aus. Es ist genetisch vorgeprägt und bei allen sozial lebenden Wesen zu finden. Hunde suchen die Nähe ihrer Bindungspartner , zunächst der Mutterhündin, indem sie anfangs Körperkontakt halten, später die räumliche Nähe wahren. Sind sie kurzfristig von ihr getrennt, fiepen sie und veranlassen so die Mutter, nach ihnen zu suchen und sich um sie zu kümmern. Erkennen sie eine wirkliche oder nur vermeintliche Gefahr, ist ihre erste Reaktion, so schnell wie möglich zur Mutter oder einem anderen Bezugstier zu laufen.

Hier wird nochmals deutlich, dass Bindungsverhalten der Sicherheit und damit dem Überleben dient. Das Gefühl der Sicherheit, der Akzeptanz und der Geborgenheit ist unseren Hunden ebenso wichtig wie uns – und eines der Dinge, die uns verbinden und auf die wir gleichermassen angewiesen sind.