Können Hunde denken? – Sino nimmt Abschied

Geschrieben von Nito am März 17th, 2013 in Sino - mein Hund, Verhalten des Hundes

Eine bemerkenswerte Vorstellung: Man versetzt sich in die Steinzeit vor etwa viertausend Jahren, sitzt an einem flackernden Lagerfeuer und sieht vielleicht einen Hund, der fast genauso aussieht wie irgendein Hund, den man auf den Strassen unserer Städte sehen kann, oder wie einer, der im Wohnzimmer zu unseren Füßen ruht.

Seit einhundertvierzig Jahrhunderten teilen Mensch und Hund Nahrung, Wasser, Wohnung und Leben miteinander. In all diesen Jahren haben Hunde Menschen bei der Jagd und beim Hüten des Viehs geholfen. Sie haben zu verschiedenen Zeiten als Leithunde gedient, haben Haushalte geschützt, Abfall beseitigt, Karren und Schlitten gezogen, als Kampfgefährten gedient und sogar als Nahrung. Hunde sind für ihre Eigentümer Gefährten gewesen, bei denen man Trost suchen konnte; wir haben sie zu unserem Vergnügen zu Schauspielern oder Athleten gemacht; sogar in der Psychotherapie sind sie schon als Hilfsmittel eingesetzt worden.

Trotz unserer langen Verbindung mit Hunden hat die Menschheit diesen allgegenwärtigen Tieren eine oft widersprüchliche Einstellung entgegengebracht. Zu manchen Zeiten und an manchen Orten haben die Menschen Hunde als loyal, treu, edel, intelligent, mutig und gesellig angesehen, in anderen Zeiten und an anderen Orten wiederum galten sie als feige, unrein, als Überträger von Krankheiten, als gefährlich als unzuverlässig.

Hunde spielten schon vor langer Zeit eine wichtige Rolle in unserem Leben

In einigen Kulturen und während bestimmter historischer Epochen haben Menschen Hunde als heilig angesehen: als Gefährten der Götter, Wegweiser der Seelen, als Engel oder gar Götter. Andere Kulturen sehen Hunde als Dämonen, als Vorboten des Todes und Verkörperungen des Teufels. Aus bestimmten Regionen ist überliefert, dass als besudelt oder beschmutzt galt, wer von einem Hund geleckt oder berührt wurde. Zu anderen Zeiten und an anderen Orten glaubte man, dass solche Aufmerksamkeiten beim Heilungsprozess eine wichtige Rolle spielten und dass sie einen Hinweis darauf gaben, dass jemand rein, tugendhaft und ohne Makel sei.

Angesichts der langen Zeit, in der der Mensch eng mit dem Hund verbunden gewesen ist, könnte man meinen, uns seien die Antworten auf all die Fragen bekannt, die seine Natur und sein Verhalten betreffen. In Wahrheit jedoch sind unsere Vorstellungen von Hunden noch immer komplex und widersprüchlich. Selbst wenn wir selbst mit Hunden leben, arbeiten oder spielen, gibt es immer noch zahlreiche Fragen,die der durchschnittliche Hundebesitzer nicht beantworten kann.

Können Tiere denken?

Ich möchte hier nur eine Begebenheit schildern, die ich mit meinem Pointer erlebt habe. Es gäbe sicher einige hundert Beispiele. Aber diese Begebenheit ist mir noch so gegenwärtig, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Sino hatte eine schwere Operation überstanden. Es ging ihm zwei Wochen dananch sehr gut, dann wurde er sichtbar schwächer und verlangsamte seinen Rhythmus zusehends. Es war ein Dienstagabend im Juli. Wir hatten schon den Abendspaziergang hinter uns. Das Rudel (ich habe weitere 5 Hunde) , hatte bereits zu Abend gegegessen, alle waren entspannt und ruhig. Bis auf Sino. Er wollte, signalisierte er mir, nochmals drigend nach draussen. Raus gehen, bedeutet für mich und meine Hunde, an den Strand gehen. Also lies ich alle anderen Hunde zu Hause und ging alleine mit Sino an den Strand. Er ging über die Düne, ging langsamen Schrittes bis zur Wassergrenze, zu seinem heiß geliebten Meer – und blieb stehen.

Er verweilte dort fast eine viertel Stunde. Er stand dort, sah über die Schaumkronen, die sich leise kräuselten, sah die untergehende Sonne und verharrte in aller Stille. Ich sprach ihn an und fand, dass wir nun wieder nach Hause gehen sollten. Das taten wir dann auch. Es war das letzte Mal, dass mein Sino das Meer sah. Er hatte von diesem Moment an noch drei Tage zu leben. Er hatte nachts einen schweren Anfall und konnte von diesem Moment an nicht mehr zum Strand gehen. Er wusste es! Das Meer, in dem er jeden Tag stundenlang geschwommen war, war sein Element, sein Lebenselexier, seine ganze Freude. ER wollte sich verabschieden.

Aus diesem Erlebnis heraus , zog ich zum wiederholten Male die Schlussfolgerung, ein Hund vollzieht geistige Prozesse. In diesem Fall: Vorwegnahme der Zukunft, Planung, bildhafte Vorstellungskraft, Verstand, Vorstellung der Konsequenzen für sich selbst und vielleicht sogar die Fähigkeit, sich vorzustellen, wie ein anderer Mensch eine Situation sieht oder verkennt.

Sino

Sino