Rudelhaltung, Hundehaltung im Tierheim – Einzelhaltung oder Rudelhaltung ?

Geschrieben von Nito am September 3rd, 2012 in Tierheime

In Deutschland verfügen viele Hunde über eine „Einzelzelle“. Die Einzelhaltung hat natürlich für die Tierheim-Betreiber auch Vorteile. Sie sehen sofort, ob ein Hund ausreichend frist, ob er gesundheitliche Probleme hat, und sie können ggfs. Medikamente leichter verabreichen.  Für die Tiere hingegen ist das oft eine Tortour. Sie können ihre Artgenossen riechen, hören, aber oft nicht sehen, geschweige denn, Kontakt aufnehmen. Meine Hündin war seinerzeit ebenfalls in einem eigenen Käfig. Laut Aussage des Tierheimes, waren das zwar „nur“ vier Monate, aber es genügte, um für eine Bewegungssterotypie: Sie begann, sich stundenlang um die eigene Achse zu drehen. Bald bewegte sie sich im ‚Tierheim nur noch in Kreisen vorwärts. Sobald sie das Gelände zum Gassi gehen verlassen konnte und Kontakt zu Artgenossen hatte, wurde aus ihr ein ganz normaler Hund, der sein Leben für kurze Zeit genoss. Zurück im Zwinger begann das Spiel von vorne. Glücklicherweise hat sie sich innerhalb weniger Tage in mein Rudel integriert und es kam glücklicherweise niemals mehr zu Auffälligkeiten.

Die Paarhaltung ist für die Hunde in Tierheimen sicher die weitaus bessere Variante. Für Vierbeiner bedeutet ein Partner Abwechselung. Gerade für Welpen und Junghunde ist der Sozialkontakt unerlässlich. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, passende Wohnparnter zu finden. Nur weil Hunde beim Gassi gehen gut harmonieren, bedeutet das nicht schon, dass das auch im Zusammenleben funktioniert.  Das Problem bei der Paarhaltung ist dann, wenn einer der Hunde vermittelt wird. Schon mutiert der andere Parnter wieder zum Einzelhund, was fatale Folgen haben kann. Gerade ängstliche Hunde, denen der Sozialpartner Sicherheit gegeben hatte, reagieren extem verstört auf die plötzliche Einsamkeit.

Hier in Spanien ist die Rudelhaltung eigentlich obligatorisch. Oft teilen sich mehr als zwanzig Hunde einen Zwinger.  Das mag für die Hunde nicht schlecht sein, aber es birgt auch Nachteile. Bei solch grossen Rudeln ist es kaum zu erkennen, ob einer nicht mehr frisst, humpelt oder krank ist.

Egal welche Haltung praktiziert wird, über eines muss man sich im klaren sein: Den Großteil des Tages verbringen Hunde im Tierheim mit Warten.  Sie geben fast nie die Hoffnung auf, dass sich doch noch ein Mensch ihrer erbarmen wird und sie in die Freiheit entlassen werden.

Deshalb, um die Wartezeit auch zu verkürzen, ist  m.E.  Rudelhaltung die bessere Alternative.  Hunde sind Rudeltiere.  Sie lieben es mit Artgenossen Kontakt zu haben.    Natürlich bestätigen auch hier immer wieder mal Ausnahmen die Regel.   Ich habe eine kleine Ratonera, die allerdings nicht aus einem Tierheim kommt.  Ich habe sie vor vielen Jahren am Strand gefunden.  Tina, da bin ich sicher, wäre gerne ein Einzelhund.    Sie will in erster Linie Körperkontakt.   Sie wäre gerne die kleine Königin.    Das ist aber die Ausnahme in meinem Rudel.   Alle anderen finden das Spielen, toben, schmusen mit- und untereinander großartig.

Vorteile und Nachteile der Rudelhaltung:

  • Vorteil: gute Verträglichkeit
  • Vorteil: Sozialisierung von unverträglichen Hunden
  • Vorteil: ängstliche Hunde können sich gut „verstecken“
  • Vorteil: die Hunde fühlen sich nicht allein
  • Vorteil: sie können sich im Winter gegenseitig wärmen
  • Nachteil: bei sehr vollen Zwingern kann es zu kleinen Reibereien kommen
  • Nachteil: man hat nicht jeden einzelnen Hund perfekt im Auge
  • Nachteil: wenn ein Hund sich unwohl fühlt oder schlecht frisst, bemerkt man es nicht sofort

 

Hundeverhalten, wieviel Kontakt zu Artgenossen braucht ein Hund ?

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